Karnataka

Da sitzt man im Januar irgendwann nachts in der Gegend herum, will nicht mehr lernen und findet ein geniales Angebot - und bucht. Somit war klar, dass ich nach Bangalore fliegen würde und sechs Tage später einen Rückflug haben würde. Dann ging es noch darum aus dem Aufenthalt das Maximum herauszuholen, so viel wie möglich zu sehen, zu schmecken, zu erfahren und dennoch halbwegs erholt wieder zurück zu kommen.

Die Reiseplanung hatte somit irgendwann folgende Form angenommen:

4. März
Nach Übernachtung in Leuven Abflug aus Brüssel über Doha nach Bangalore
5. März
2:23 Uhr: Ankunft in Bangalore International Airport
3:30 Uhr: Fahrt mit dem Bus nach Mysore
Übernachtung in Mysore
6. März
Tag in Mysore
19:00 Uhr: Fahrt mit dem Nachtzug nach Hospet
7. März
Nach einer Busfahrt von Hospet aus in Hampi ankommen
Übernachtung in Hampi
8. März
Tag in Hampi
21:05 Uhr: Fahrt mit dem Nachtzug nach Bangalore
9. März
Tag in Bangalore
Übernachtung in Bangalore
10. März
Tag in Bangalore
Abends in Richtung Flughafen und ein paar Stunden schlafen
11. März
4:00 Uhr: Abflug aus Bangalore über Doha nach Brüssel
Und hier das ganze dann mal als Karte:

Mysore

Somit ging es dann auch los. Nach einem kurzen Zwischenstopp am abartig großen und luxuriösen (wer hätte es gedacht...) Flughafen in Doha, bin ich um 2:23 Uhr in Bangalore gelandet. Dort habe ich dann direkt den Bus um halb vier nach Mysore nehmen können, obwohl ich den um 8:30 Uhr gebucht hatte. Bei angenehmen 25° bin ich in den Bus eingestiegen um bei 35° nach vier Stunden in Mysore wieder aus dem Bus auszusteigen.
Und schon auf dem Weg in Richtung des Hotels wurde mir klar, dass man sich noch so sehr auf die Unterschiede zwischen den Gesellschaftsschichten und die Armut vorbereiten kann - wenn man es dann mit eigenen Augen sieht und in allen Sinnen spürt, dann ist es doch nochmal etwas ganz anderes. Es war weniger die Armut in Mysore selbst, die mich in dem Moment überrascht hat, es war mehr die Tatsache, dass ich gelesen hatte, Mysore sei eine der am weitesten entwickelten Städte in der Region - ein Aussage, die ich nach meiner kurzen Reise nicht tätigen würde.
Nach einem kurzen Aufenthalt im Hotel habe ich mich auf den Weg in die Innenstadt gemacht. Mysore hat kein wirklich spürbares Stadtzentum und ist stattdessen vor allem von seinen Verkehrsachsen geprägt. Hier habe ich dann auch direkt eine Erfahrung machen dürfen, die mich die ganze Woche lang begleiten würde: Wenn jemand mit einem reden wollte, dann war es auf dem einen oder anderen Weg mit dem Ziel einem etwas zu deutlich überhöhten Preisen zu verkaufen - dieser Effekt wurde dadurch verstärkt, dass in Mysore nirgends fixe Preise zu finden waren und es somit fast unmöglich war ein Gefühl für die Verhältnismäßigkeit der Preise zu erhalten. Oft genug hatte man das Gefühl einen schlechten Deal gemacht zu haben, wenn man den Preis auf die Hälfte gedrückt hatte.

Meine erste Station war auf jeden Fall der Palast. Dieses, zu Beginn des 20sten Jahrhunderts als Ersatz für den abgebrannten alten Palast, erbaute Gebäude vereinte verschiedene architektonische miteinander: deutliche europäische (britische), muslimische und hinduistische Einflüsse wurden sichtbar. Der Palast zeichnet sich durch seine sehr üppige und verschwenderische Innenausstattung und seine mit 80.000 Glühbirnen beleuchtete Außenfassade aus. Inklusive der großzügigen Gärten und Sri-Shveta-Varahaswami-Tempel, war der Palast auf jeden Fall einen Besuch wert.
Bei einem Spaziergang durch die Straßen Mysores bei dem ich auch in die etwas entlegenen Gebiete gekommen bin, habe ich dann nochmals die Diversität dieser Stadt mitbekommen. Auf der einen Seite klimatisierte Geschäfte, auf der anderen Seite Straßen, die ich nicht als solche bezeichen wollte. Von einem funktionierenden Abwassersystem oder einer Müllentsorgung war nicht mal zu träumen. Das tat allerdings der Tatsache dessen, dass die Menschen sehr fröhlich und gesellig waren keinen Abbruch.
Auf dem kleinen und sehr eindrucksvollen Markt habe ich mich sicherlich übers Ohr hauen lassen, als ich 10ct für ein halbes Kilo Bananen gezahlt habe. Ich habe in diesem Moment beschlossen fürderhin nur noch zu kaufen, wenn ich vorher eine Transaktion eines Verkäufers mit einer einheimischen Person gesehen habe - immer unter der Annahme, dass sich diese nicht über Ohr hauen lassen würde.

Abends habe ich mich dann für erhebliche 2€ mir hervorragender südindischer Küche verwöhnen lassen.

Am nächsten Tag ging es dann mit dem Rucksack durch die Stadt. Nachdem ich am Vortag schon sämtliche halbwegs sehenswerte Dinge in der Innenstadt abgelaufen hatte standen für heute eine wenig spektakuläre Kirche und der Zoo auf dem Programm.
Die Kirche war dennoch sehenswert, da sie von außen eine europäische Kirche hätte sein können, von innen allerdings im hohen Maße farbenfroh und mit mehr als genug Plastikstatuen ausgestattet, die auch kräftig angebetet wurden.
Und warum zieht es den Max in einen Zoo? Gute Frage. Ich hatte gehört, dass der Zoo in Mysore einer der schönsten in Indien sein soll. Am Ende habe ich festgestellt, dass es ein schöner, aber nicht sonderlich außergewöhnlicher Zoo war (und Tiger verdammt große Tiere sind). Das Erlebnis dort war dennoch sehr außergewöhnlich. Nachdem ein junger Herr auf mich zu kam und ein Selfie mit mir machen wollte, wunderte ich mich kurz, willigte ein und erkannte sofort meinen Fehler - in der folgenden Stunde habe ich für zig Fotos Modell stehen dürfen und mich und meinen Rucksack unzählige Male umarmen lassen dürfen. Das ganze ging sogar so weit, dass die Leute vor mit herliefen um mit mir ein Selfie zu machen. Vereinzelt haben Eltern ihre Kinder zu mir geschickt, damit entsprechende Fotos entstehen konnten. Im höchsten Maße faszinierend, aber mal wieder ein deutliches Zeichen, wie wenig ausländischen Tourismus Mysore hat (an anderen Orten nahmen die Selfies auf ein erträgliches Maß ab).

Nach einem weiteren "kurzen" Spaziergang durch die Stadt ging es dann um sieben Uhr abends mit dem Hampi-Express in Richtung Hospet. Für den Zug hatte ich mir - ganz dekadent - ein Bett in der 1. Klasse gebucht und ich darf sagen, dass es die 20€ für 12 Stunden Fahrt wert war. Ein bequemes Bett auf dem man auch ordentlich schlafen konnte, sein Handy laden konnte und keine Sorge um sein Gepäck haben musste, hatte schon etwas für sich.

Hampi

Als ich halbwegs ausgeschlafen mit dem Zug in Hospet angekommen bin, wurde ich schon von an Bord springenden Rikscha-Fahrern mit Wucherpreisen für die Fahrt nach Hampi überschüttet worden. Anstatt 5€ für die Fahrt zu zahlen, habe ich mich dann doch lieber für den Bus für 18ct entschieden - fand ich einen angemessenen Deal. In Hampi angekommen stellte ich erstmal fest, dass das Dorf komplett überfüllt war - nichts anderes war zu erwarten gewesen, wenn man an einem religiösen Feiertag der Hindus, Maha Shivaratri, an einen von Templen überaus reichen Ort fährt. Am Hotel angekommen stellte ich erstmal fest, dass mein Hotel zwei Teile hatte - und ich genau am falsche angekommen war. Selbstverständlich fand sich sehr schnell jemand, der mir "helfen" wollte, mich zu meinem richtigen Hotel begleitet hat und mir anschließend eine Tagestour für 16€ verkaufen wollte - auf dieses Angebot habe ich dann einmal dankend verzichtet, nachdem ich fest vor alle alle Orte zufuß zu erkunden. Am Ende stellte sich heraus, dass das Angebot, mal wieder, um fast 200% über dem üblichen Preis lag - langsam wurde das wirklich nervig.

Ich möchte doch sagen, dass die Variante dessen sich 22km zufuß durch die Palmenwälder und Bananenplantagen zu begeben eine sehr gute war - es fühlte sich an, wie das Dschungelbuch, nur besser. Die unendlich erscheinenden, gut zugänglichen und hervorragend erhaltenen Tempel gehören zu dem Eindrucksvollsten, was ich jemals gesehen habe. Die Ruhe der Umgebung, die Sonne, 40° Wärme, wunderbare Farben, der Duft der Tropen, das Rauschen der Ströme, das Rascheln des Waldes - simply perfect.

Nach einem wunderbaren Tag und einem 4km Fußweg zum nächsten ATM, habe ich mich dann erstmals dazu entschieden die Stimmung ein wenig mit Videos aufzufangen und mir dann (nicht erstmals) ein gutes Abendessen gegönnt. Hier wurde auch sehr schnell klar, dass ich hier in einem touristischen Hotspot gelandet war - Landsleute lassen sich halt nirgends vermeiden. Man muss Hampi allerdings zu Gute halten, dass die wenigen Touristen die gesamte Stimmung nicht ansatzweise gestört haben; eher nervig waren die Affen, die einem ab und an einmal nicht sonderlich freundlich begegnet sind - ein einfach wunderbarer Ort.

Am zweiten Tag in Hampi wurde ich durch einen genialen Sonnenaufgang geweckt und habe mich dann auf den Weg zu den verbleibenden Tempeln gemacht. Nachdem ich dort gewesen bin, habe ich mir vorgenommen zu den Wasserfällen von Hampi zu laufen, welche nur 20min entfernt sind. Und hier kam der wohl einzige Moment in der Woche in dem ich mich nicht mehr ganz sicher gefühlt habe und tatsächlich die Notwenigkeit verspürt habe umdrehen zu müssen. Nachdem mir auf dem Weg in Richtung der Fälle schon mehrfach von kleinen Häusern aus Rauschgift angeboten wurde, wurde ich nach ca. 10 min sehr penetrant von einigen Jugendlichen verfolgt. Nachdem dann 5 mins später noch weitere hinzukamen und diese mir sagten, dass ich jetzt nicht mehr alleine weiter gehen kann, wenn ich nicht sie als Guide nehme, entschied ich dann doch, dass es sinnvoll sei umzukehren und recht zügig wieder in Richtung der Zivilisation zu laufen. Schade, weil ich die Wasserfälle nicht gesehen habe, aber wohl die richtige Entscheidung in Anbetracht der Tatsache, dass ich die Umgebung nicht kannte und man auch keinen Empfang hatte.

Nach diesem Erlebnis gönnte ich mir erstmal ein gutes Nachmittags-Essen und erkundigte mich bei extrem langsamen Internet nach meiner Zugfahrt am Abend. Hierzu muss man wissen, dass es für indische Züge ein Buchungssystem gibt, bei dem nur Ticket mit fester Reservierung vergeben werden, welche dann um Tickets auf der Warteliste ergänzt werden. Im Normalfall kann man wohl bis auf Wartelistenplatz 20 mit einer sicheren Bestätigung am Tag vorher rechnen, allerdings wurde mein Ticket auch am Tag der Fahrt und trotz Position 1 auf der Warteliste nicht bestätigt. Ich musste somit kurzfristig einen Schlafbus nach Bangalore buchen und machte mich direkt auf den Weg zurück nach Hospet.

Hospet war dann der Inbegriff der Gegensätze dieses Landes. Auf der einen Seite die luxoriösen Hotels mit Preisen auf europäischem Level, die mir in der Lobby nicht mal einen Drink servieren wollten, und auf der anderen Straßenseite das Abbild der Armut. Der Ort, so belebt er auch war, so froh die Menschen auch wirkten und so nett die Menschen auch waren, war extrem schmutzig und auch hier konnte von Müllentsorgung keine Rede sein. So wurde der Sonnenuntergang an diesem Abend zwar ein sehr schöner, aber doch in einer komplett anderen Umgebung.
Was mich in diesem Zusammenhang besonders nachdenklich gemacht hat, waren die Implikationen dessen, was ich sah. Wenn Hospet, ein Ort der als Verkehrknotenpunkt für den Zugang zum touristischen Hampi mit vielen Hotels, in einem solchen Zustand ist, wie sieht es dann in weniger entwickelten Regionen des Landes aus?

Dennoch, die Reise ging weiter und nach sechs Stunden Wartezeit am Busbahnhof von Hospet bei dem ich ein dauerhaftes Katz-und-Maus Spiel mit den am Bahnhof lebenden Kindern spielen musste (mein Rucksack und Handy wirken dort doch sehr attraktiv auf sie), ging es für sieben Stunden in einem klimatisierten Schlafbus nach Bangalore.
Und Schlafbus ist eine gute Bezeichnung für den Bus, da er wirklich mit vollen Betten mit individueller Klimatisierung (inkl. Erkältungsgarantie) ausgestattet war, allerdings sollte die Fahrt rein gar nichts mit Schlaf zu tun haben. Ich würde den Reisekomfort eher mit dem einer Achterbahn vergleichen - an Schlaf war nicht zu denken.

Bangalore

Bangalore hat mich morgens um sechs erstmal mit wenig Verkehr und erstaunlich viel Ruhe begrüßt. Die Aufdringlichkeit der Rikschafahrer war deutlich geringer als noch zuvor, was allerdings auch daran gelegen haben kann, dass ich mich in der Zwischenzeit daran gewöhnt hatte, oder man mir angesehen hatte, dass ich das mit dem zufuß gehen ernst meine. Generell schien es so, als würde es helfen in allen Situationen extrem selbstbewusst aufzutreten und einfach mal loszulaufen bevor man auf die Karte schaut - dass man dann zwei Straßen weiter wieder zurückläuft muss ja keiner wissen ;-)
Nachdem ich meinem extrem netten Airbnb-Hosts versprochen hatte nich vor acht Uhr morgens aufzutreten hatte ich zwei Stunden Zeit um die 4km zur Wohnung zurückzulegen und habe es genossen auf den achtspurigen Straßen ohne Rücksicht auf Verkehr laufen zu können und mich auf den Weg in Richtung Cubbon-Park begeben. Hier zeigte sich dann auch sofort, dass ich wieder in einer ganz anderen Welt gelandet war: Menschen waren unterwegs um zu joggen, Yoga zu machen (zu yogaen?) und Badminton zu spielen - eindeutige Anzeichen für Wohl- und Mittelstand.

Nachdem ich mir meine erste Portion Sightseeing für den Tag gegönnt hatte, machte ich mich erstmal daran meine traditionellen Bananen zu essen bei denen ich mir einbildete, dass sie meiner Verdauung gut täten - Tatsache ist, dass ich mit dieser Taktik die ganze Woche lang keinerlei Probleme mit der Verdauung hatte. Um acht Uhr ging es dann müde, aber durch die Atmosphäre der Großstadt #großstadtaffe gut gelaunt, zum Airbnb und dort direkt für zwei Stunden ins Bett (und für mein Handy an ein gutes Internet - irgendwann mussten auch die mehr als 300 Fotos der letzten Tage hochgeladen werden).

Nachdem ich gute "ausgeschlafen" hatte und eine kleinere Tour geplant hatte (wie schön es war wieder auf die klassischen Tools wie Foursquare vertrauen zu können), habe ich mich auf den Weg gemacht den Norden des Stadtzentrums zu erkunden. Auch in Bangalore zeigte sich, dass die Stadt kein wirkliches Zentrum hat, weil die Stadt aus einer vielzahl von Vierteln besteht. Es war ganz offensichtlich, dass Bangalore nicht mit dem zu vergleichen war, was ich in der vorherigen Tagen gesehen hatte. Die Stadt war modern, die Infrastuktur verhältnismäßig gut und der Lebensstandard spürbar höher.
Nach einem Besuch der Commercial Street(s) und dem Verspeisen eines hervorragenden Wraps vom Grill, war ich erfreut festzustellen, dass die Stadt sehr lebendig und die Menschen extrem aufgeschlossen und nett sind. Ähnlich, wie schon in Mysore habe ich auch hier wieder eine Kirche besucht in der Plastikfigueren der diversen Heiligen angebetet worden sind und man das Gefühl hatte, dass Ablassbriefe weiterhin ein modernes Business Model sind. Auch hier in Bangalore war es schön zu sehen, dass die verschiedenen Religionen zumindest geographisch nah beeineander lagen.
Meine Tour sollte mich in Richtung des in höchsten Tönen gelobten Museums der modernen Kunst bringen. Hierbei bin ich durch kleine und nicht ganz so kleine Gassen gelaufen in denen dann schon auch wieder klar wurde, dass auch hier nicht alles eitel-Sonnenschein ist. Die Armut - vor allem die Unterschiede zwischen den Gesellschaftsschichten - war greifbar. So fanden sich dicke Audis und BMWs in absoluten Armutsvierteln und High-tech Geschäfte neben leer stehenden Malls. Etwas, das hingegen gar nicht leer bliebt waren die Straßen: Ich glaube, dass ich in diesen zwei Tagen in Bangalore mehr Hupen gehört haben als in meiner gesamtem Zeit in Rom - ohne Hupe schien man keinerlei Existenzberechtigung im Verkehr zu haben, was den Fußgängern nicht gerade entgegen kam. Entweder man war im höchsten Maße achtsam und reagierte schnell, oder wurde angefahren (ist mir nur einmal bei mehr als 40km Laufen in der Stadt passiert - wohl eine sehr gute Quote).

Sowohl das Museum der modernen Kunst als auch der Palast in Bangalore waren eher eine Enttäuschung - vor allem für dich auch aus europäischer Sicht recht hohen Eintrittspreise. Am späten Nachmittag habe ich mich dann nochmal in eine Mall gewagt und bin in eine ganz andere (vollkommen deplatzierte) Welt eingetaucht. Die UB-City Hall war ein Gebäude, das innen nur zu vor Mamor protzte in dem sich jede nur vorstellbare Edelmarke dieser Welt finden ließ. All das konnte man aber Abends bei einem guten Essen in einem netten Restaurant und einem kühlen Getränk in einer der jungen, hippen Kneipen vergessen. Auch hier wurde ganz deutlich, dass sich eine Mittelschicht zu entwickeln (pun intended) scheint.

Da wacht man nach einem langen Abend auf, schaut bei 35° aus dem Fenster und stellt fest, dass die Woche auch schon fast wieder vorbei ist. Aber, erstmal den letzten Tag genießen! Diesmal hatte ich mir vorgenommen in Richtung Süden zu laufen und vor allem die den KR-Market zu besuchen. Nach einem Frühstück in einem sehr netten, kononial eingerichteten Café ging es dann durch die Straßen Bangalore in Richtung des Marktviertels. Der Markt hat eine Haupthalle, die vor allem von Blumenverkäufern genutzt wird, aber die wahre Schönheit des Market bestand in seiner Vielfältigkeit und Größe. Es gab wohl kein lokales Produkt, das sich hier nicht erwerben ließe un die Fläche des Marktes dürfte vergleichbar mit manch einer Kleinstadt in Deutschland sein. Hier war schon klar, dass mein Handgepäck auf dem Rückweg ein wenig schwerer werden würde. Dennoch, bei all der visuellen und akustischen Schönheit und Vielfalt, stachen einem immer wieder beißende Gerüche in die Nase - Müllentsorgung bestand hier noch mehr als an anderen Orten darin die nicht mehr benötigten Dinge in den Keller eines leer stehenden Hauses zu befördern, oder einfach direkt fallen zu lassen. Von Hygiene und Sauberkeit will ich hier nicht sprechen, was natürlich weiterhin dadurch verstärkt wurde, dass auch in Bangalore Kühe und Hunde frei in den Straßen herumliefen und fraßen, was immer sie finden konnten.


Nach dem mehrstündigen Aufenthalt im Marktviertel zog es mich dann weiter nach Süden um mir Tempel anzusehen (und auf dem Weg teilweise bis zu 5 Minuten zu brauchen um eine Straße zu überqueren), welche mich allerdings nach Hampi wenig beeindrucken konnten. Allgemein zeichnete sich ab, dass Bangalore keine Stadt für Sightseeing war, sondern eher ein Ort war an dem man gut leben kann und an dem man viel Freude und Spaß haben kann. So beschloss ich dann zum Abschluss des Tages noch auf die Food Street zu gehen und mich mit allen möglichen kleinen Köstlichkeiten zu verwöhnen.

Den Abend und das Abendessen verbrachte ich dann in sehr angeregten Gesprächen über nationale und internationale Politik mit meinen Airbnb-Gastgebern. Abends um halb eins ging es dann in Richtung Flughafen um um vier Uhr morgens wieder pünktlich in Richtung Doha zu starten.

Kaum war ich an Bord, war dann schon sehr klar, dass die sechs Tage sehr intensiv waren, aber dennoch viel zu kurz waren um einen ordentlichen Eindruck von Südindien zu erhalten. Ich möchte sagen, dass ich für die Zeit, die ich dort war, sehr viel gesehen habe und ein überaus diverses Land in Ansätzen kennengelernt habe. Die Menschen schienen fast ausschließlich positiv und überaus freundlich, wenn auch manchmal zu freundlich. Ich durfte mal wieder feststellen, dass ich ganz klar ein Mensch bin, der das Leben in Großstädten überaus schätzt und sich dort, egal in welcher Kultur, am wohlsten fühlt.
Würde ich den Trip so wieder machen? Auf jeden Fall! Mein Eindruck von Indien ist sehr positiv und divers, aber es ist sicher nicht ein Land, das ich jedem ohne Bedenken empfehlen würde. Zudem scheint es doch ab und an angeraten nicht alleine unterwegs zu sein. Wer hingegen kein Problem mit großen Differenzen in einem Land hat und bereit ist sich ein wenig auf die Kultur und die Menschen einzulassen, der wird viel Spaß am Reisen in der Region haben.

Hier noch eine Google-Fotostory mit deutlich mehr Fotos
Und die gesamte Youtube Playlist

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